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Jugendliche

 

Jugendliche und junge Erwachsene 

Jugend-, Entwicklungspsychologie und die Psychologie des jungen Erwachsenenalters sind für uns wichtige Themen. Wir schulen Ausbildner/innen, Lehrmeister/innen und andere Interessierte. Sie interessieren sich für neue Forschungsresultate und sind bereit, Ihr Rollenverständnis im Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu hinterfragen. Sie möchten mehr erfahren über die Adoleszenz (= die Zeit zwischen der Pubertät und dem Erwachsenenalter) und wie Sie die Jugendlichen besser führen und fördern können, wie viel Lenkung und wie viel Unterstützung Jugendliche brauchen. 

In Workshops erfahren Sie mehr über 
· Entwicklungsphasen, Identität und Selbstkonzept von Jugendlichen und jungen Erwachsenen
· Die Bedeutung von Coping- und anderen Bewältigungs-Strategien
· Gender-Aspekte bei Jugendlichen
· psychosexuelle Entwicklung und Gesundheitsbewusstsein
· Die Funktion der Peergroup, Gruppendruck
· Bedeutung der Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Mobbing
· gesellschaftliche Bedingungen für radikale Tendenzen
· Motivation und Leistungsbereitschaft und die Bedeutung des Kontextes
· Beziehungsfunktionen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, Erwartungshaltung, Feeback-Kultur
· Wie viel Lenkung, und wie viel Freiraum sind notwendig?
· Wo ist Unterstützung angezeigt, und wann die Forderung nach Eigenverantwortung? 
· Wie können Krisen erkannt werden? Welche Krisen gehören oft in diese Entwicklungsphase?
· Die Bedeutung von Übertrittsphasen und die Bewältigung derselben

 

Aus der Jungendpsychologie

  Der Begriff der Pubertät 

Die Pubertät ist kein neues Phänomen. Also sprach Aristoteles etwa 350 Jahre vor Christus: «Die   Jugendlichen sind hitzig und jähzornig und bereit, ihrem Zorn zu folgen ... Alles tun sie im Übermass, sie lieben nämlich im Übermass, sie hassen im Übermaß und so alles andere in gleicher Weise." Der Kollege Sokrates philosophierte ähnlich über den „Charakter der Jugend»: «Sie haben schlechte Manieren und verachten die Autorität ... Sie widersprechen ihren Eltern, nehmen Gespräch und Gesellschaft für sich allein in Anspruch und tyrannisieren ihre Lehrer.»

 

Nochmals geboren werden

Seit den alten Griechen hat sich daran nichts geändert. Nur weiß man 2350 Jahre später mehr darüber, wie Pubertät («pubes» = Schamhaar) funktioniert. Mediziner und Psychologen sprechen heute von einer «nochmaligen Geburt». Der lange Abschied von der Kindheit, das allmähliche Erwachsenwerden sei die Zeit der größten physischen und psychischen Veränderung im Leben eines Menschen.

 

Machtkämpfe

Im richtigen Leben bedeutet dies: Machtkämpfe in den Elternhäusern, Gefühlschaos in den Kinderzimmern, Kraftproben in den Schulen.

 

Umbrüche und Krisen

Die Pubertät geht mit biologischen, psychologischen und sozialen Umbrüchen einher, die häufig als krisenhaft erlebt werden. In der Praxis für Wachstum Pubertät Adoleszenz werden Unsicherheiten, die in der Entwicklung von Pubertät und Adoleszenz entstehen können, durch Beratung abgebaut und mögliche Krisen bewältigt. Psychosomatischen Fragestellungen gilt dabei das besondere Augenmerk.

 

Umgang mit «Defiziten»

Eine zu kleine Körpergrösse oder ein zu früher oder zu später Beginn der Pubertätsentwicklung üben einen nachhaltigen Einfluss auf das seelische Empfinden und die psychosoziale Reifung aus. Dies wiederum kann zu Veränderungen im Sozialverhalten und zu Schulleistungsstörungen führen. Bei uns werden die jungen Patientinnen und Patienten bei Bedarf auch von Psychologen beraten, wie sie mit ihrem Körper am besten zurechtkommen können.

Quelle: Stiftung Wachstum, Pubertät, Adoleszenz (U. Eiholzer)


  Identitätsentwicklung

Im Zentrum der Theorie von Erikson steht die Identitätsentwicklung. Die Lebensaufgabe des Menschen besteht darin, eine eigenständige Identität zu erringen. Das Gefühl der Identität bedingt ein Gefühl der inneren Stabilität, Einheit und Konsistenz. Ich- und Identitätsentwicklung sind eng miteinander verbunden.

Die Persönlichkeitsentwicklung verläuft innerhalb von psychosozialen Stadien oder Phasen. Jede Phase hat einen Wendepunkt, der als Krise bezeichnet wird und in der das Individuum sehr verletzlich ist.

Die Adoleszenz ist die wichtigste Phase der Identitätsentwicklung für die Persönlichkeit. Die Identitätskrise während der Adoleszenzphase ist typisch für die Jugendlichen. Hier wird die Integrationsleistung der vorangegangenen Phasen erbracht. Gleichzeitig wird in der Adoleszenzphase der Grundstock für das Erwachsenenalter gelegt.

Quellen: Erikson (1965/1971), Remschmidt (1992 )


  Entwicklungsaufgaben in der Adoleszenz

Unter einer Entwicklungsaufgabe versteht man jene kulturell und gesellschaftlich vorgegebenen Erwartungen und Anforderungen, die an Personen einer bestimmten Altersgruppe gestellt werden.

Das Konzept der Entwicklungsaufgaben wurde von Havighurst (1948) definiert und beschreibt den Lebenslauf als eine Folge von Problemen, denen sich das Individuum gegenüber sieht und die es bewältigen muss.

Die Festlegung einer Aufgabe, die die Gesellschaft an den Einzelnen stellt, ist normativ, die Altersgrenzen für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben sind jedoch variabel. Ebenso variiert der Grad der normativen Verpflichtung: einige Entwicklungsaufgaben sind als Angebote mit Empfehlungscharakter zu verstehen, andere sind durch Sanktionen gestützte Forderungen. Nicht alle Aufgaben sind jedoch vorgegeben, ein weiterer Teil setzt sich aus persönlichen Zielen und Projekten zusammen. Entwicklungsaufgaben gliedern also den Lebenslauf und geben dem einzelnen Jugendlichen Sozialisationsziele vor.

Quelle: Oerter & Montada 1995 


  Wichtige Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase

  • Neue und reifere Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts aufbauen

  • Übernahme der männlichen oder weiblichen Geschlechtsrolle

  • Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung und effektive Nutzung des Körpers

  • Emotionale Unabhängigkeit von den Eltern und von anderen Erwachsenen

  • Vorbereitung auf Ehe und Familienleben

  • Vorbereitung auf eine berufliche Karriere

  • Werte und ein ethisches System erlangen, das als Leitfaden für das Verhalten dient - Entwicklung einer Ideologie

  • Sozial verantwortliches Verhalten erstreben und erreichen

Diese Aufgaben werden als Grundlage für die zukünftige Entwicklung betrachtet. Bezüglich der zeitlichen Zuordnung geht Havighurst davon aus, dass es innerhalb der Lebensspanne Zeiträume gibt, die für die Erledigung bestimmter Aufgaben besonders geeignet sind. Die Annahme solcher sensitiver Perioden bedeutet jedoch nicht, dass bestimmte Prozesse nicht auch zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff genommen werden können, aber der Lern- oder Entwicklungsprozess erfordert dann aber einen wesentlich höheren Aufwand als zuvor. Darüber hinaus unterscheidet Havighurst zwischen Aufgaben, die zeitlich abgeschlossen sind, und solchen, die sich über mehrere Perioden der Lebensspanne erstrecken.

In jedem Lebensabschnitt lasten bestimmte Anpassungsanforderungen auf dem Jugendlichen, deren erfolgreiche Bewältigung führt zu Zufriedenheit und Erfolg bei den nächsten Aufgaben, während der Misserfolg zu Unzufriedenheit, zur Missbilligung durch die Gesellschaft und zu Schwierigkeiten mit späteren Aufgaben führt:

Quelle: A developmental task is a task which arises at or about a certain period in the life of an individual, succesful achievment of which leads to happiness and to success with later tasks, while failure leads to unhappiness in the individual, disapproval by the society, and difficulties with later tasks." (Havighurst, 1948) 


  Übergang ins Erwachsenenalter

Der Übergang ins Erwachsenenalter ist demnach erst dann zufrieden stellend möglich, wenn alle Entwicklungsaufgaben bewältigt und zugleich der Prozess der inneren Ablösung von den Eltern abgeschlossen sind, wenn also die "Adoleszenzkrise" bewältigt wurde.

Die Gewinnung der Identität wird als der Kernkonflikt des Jugendalters verstanden.

Defizite und Leerstellen, Widersprüche und Ambivalenzen können Ausgangspunkt und Auslöser für heftige Orientierungs- und Selbstwertkrisen sein.

Die Suche nach der eigenen Identität ist somit in der gegebenen Form typisch und charakteristisch für das Jugendalter ist und tritt in der Regel in dieser Form auch nur im Jugendalter auf.  


  Entwicklungsaufgaben

Nach Hurrelman et al werden in heutigen Industriegesellschaften für die Adoleszenzphase im menschlichen Lebenslauf folgende Entwicklungsaufgaben klassifiziert (Hurrelmann, Rosewitz & Wolf, 1985):

  • Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz mit dem Ziel der ökonomischen Autonomie

  • Entwicklung der eigenen Geschlechterrolle und des sozialen Bindungsverhaltens mit dem Ziel einer Partnerbeziehung

  • Entwicklung eines eigenen Wert- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewußtseins

  • Entwicklung eigener Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes und des kulturellen Freizeitmarktes mit dem Ziel, einen eigenen Lebensstil zu entwickeln


  Coping

Coping ist nicht nur ein Prozess, der Behebung oder Ausschaltung einer belastenden oder herausfordernden Situation zum Ziel hat, Coping erscheint auch dann, wenn habitualiserte Verhaltensweisen nicht mehr ausreichen. Eine Herausforderung oder Belastung ist in diesem Kontext ein Voraussetzung für eine produktive Anpassung oder Entwicklung. Diese erfolgt dann als eine neuintegrierende oder eine prospektives Verhalten orientierende Leistung der Person.

 

Die Arten eines Coping-Prozesses

Zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben sind Kompetenzen erforderlich, die Jugendliche befähigen, neue Anforderungen zu bewältigen, welche mit den eingeübten, habitualisierten Verhaltensweisen nicht bewältigt werden können. Solche Bewältigungsstrategien nennt man Coping (engl. fertig werden). Unter Coping wird ein Prozess der konstruktiven Anpassung verstanden, der Jugendliche befähigt, mit neuen Anforderungen und Schwierigkeiten konstruktiv umzugehen. Das Gefühl, den Dingen gewachsen zu sein, stärkt das Selbstwertgefühl. Unfähigkeit zu Coping-Strategien fördert psychische Störungen im Jugendalter.

Jugendliche haben eine Vorstellung von ihrem Verhaltenspotential („Das schaffe ich schon"). Im Coping-Prozess versagen aber diese gewohnten Verhaltensweisen. Das bestehende Verhaltensrepertoire muss überprüft und unter Umständen modifiziert werden, dabei haben Jugendliche drei Möglichkeiten:

1. Bewährte Verhaltensmuster werden stabilisiert und verfestigt im Hinblick auf neuartige Situationen.

2. Vorhandene Bewältigungsmuster werden weiterentwickelt, weil die gewohnten Verhaltensprogramme noch nicht genügen.

3. Bei völlig neuartigen oder besonders schwierigen Anforderungssituationen müssen bestehende Verhaltensmuster verflüssigt, aufgelöst und neu strukturiert werden.

Quelle: Kohnstamm 1999, Olbrich 1984, Remschmidt 1992

 

Copingstile Jugendlicher

  • Das Problem wird zu lösen versucht oder es wird einfach nicht mehr als relevant betrachtet.

  • Gefühle können beim Coping-Prozess entweder zum Ausdruck gebracht werden oder man schottet sich gegen sie ab oder aber sie werden ignoriert.

  • Die Anpassung an die Situation führt zur Änderung des eigenen Verhaltens oder andere werden zur Verhaltensänderung bewegt.

Coping-Stile entwickeln sich unterschiedlich, je nach dem, in welchem Kontext die Problembewältigung Jugendlicher stattfindet: Problembewältigung mit der eigenen Person, in der Familie, mit Gleichaltrigen, in der Schule oder im Beruf.

 

Copingmechanismen sind eine Entwicklung

Stabilisierung ® Modifizierung ® Neustrukturierung ® Stabilisierung

Jugendliche haben eine Vorstellung von ihrem Verhaltenspotential („Das schaffe ich schon"). Im Coping-Prozess versagen aber diese gewohnten Verhaltensweisen. Das bestehende Verhaltensrepertoire muss überprüft und unter Umständen modifiziert werden, dabei haben Jugendliche drei Möglichkeiten:

1. Bewährte Verhaltensmuster werden stabilisiert und verfestigt im Hinblick

auf neuartige Situationen.

2. Vorhandene Bewältigungsmuster werden weiterentwickelt, weil die gewohn-

ten Verhaltensprogramme noch nicht genügen.

3. Bei völlig neuartigen oder besonders schwierigen Anforderungssituationen

müssen bestehende Verhaltensmuster verflüssigt, aufgelöst und neu struk-

turiert werden.

Quelle: Kohnstamm 1999, Olbrich 1984, Remschmidt 1992


  Bewältigungsstrategien Jugendlicher

Im Idealfall bewältigen Jugendliche die anstehenden Bewältigungsaufgaben über Coping. Es bieten sich aber gerade in der Adoleszenz auch andere Strategien an. Diese werden je nach Wesensart und Geschlecht unterschiedlich gewählt.

 

Bewältigungsstrategien Jugendlicher zum Zwecke der emotionalen Abwehr und Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts (Kohnstamm 1999):

1. Rückzug in emotionale Isolation Jugendliche erwarten von sich und der Welt wenig.

2. Reaktionsbildung: Jugendliche tun genau das Gegenteil ihrer eigenen Sehnsucht.

3. Flucht vor der Wirklichkeit in eine Krankheit mit diffusen Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden. Flucht in Tagträume oder Suchtmittel.

4. Rationalisieren und verstandesmässiges Argumentieren schafft innere Distanz zu den Dingen. Probleme werden geleugnet oder wegerklärt.

5. Projektion dient als Strategie. Eigene Gefühle und Wünsche die man selber hat, aber nicht annehmen kann oder will, werden andern zugeschrieben.

6. Verschiebung von Gefühlen gegenüber einer Person auf eine andere Person, weil dies Gefühle der Irritation oder Angst auslösen.

 

Psychohygienische Funktionen

Andere Bewältigungsstrategien Jugendlicher können psychohygienische Funktionen haben, zum Schutz ihrer Persönlichkeit und zur Aufrechterhaltung ihres Selbstwertwertgefühls. Ohne solche Schutzmechanismen steigen Depres-sionsneigung, Leistungsangst und somatische Belastungen. Strategien mit psychohygienischen Funktionen:

1. Relativierung: Vermeidung negativer Schlussfolgerungen über die eigene Leistungsfähigkeit oder über den eignen Wert.

2. Jugendliche bauen sich selber Hindernisse (self-handicapping) um Erfolge auszuschliessen. Dies lässt dann keine Schlussfolgerungen mehr zu über das effektive Leistungsvermögen.

3. Manipulation des intellektuellen Erscheinungsbildes („Ich habe auf die Prüfung nichts gelernt!")

4. Enge Bindungen an Cliquen mit leistungsabwertenden Haltungen

5. Ausweichen in erfolgsversprechende Bereiche (Sport, Musik)

6. Risikoreiche und konsumorientierte Selbstdarstellung (Drogen, Auto, Sex)

 

Soziale Integration

Schulischer Misserfolg kann durch soziale Integration und Akzeptanz der Mitschüler/innen kompensiert werden, so dass Jugendliche die notwendige Selbst-Stabilisierung so erreichen.

 

Die 5 häufigsten Reaktionsformen Jugendlicher auf Konflikt und Belastung sind:

  • Leistung

  • Widerstand, Opposition

  • Anpassung an institutionelle Aspekte

  • Anpassung an Bedürfnisse anderer

  • Suche nach sozialen Kontakten

Quelle: Fend 2001, Kohnstamm 1999, Olbricht 1984, Remschmidt 1992

 

  Ablösungsprozess

Der Prozess der Ablösung von den Eltern und die Bewältigung der anstehenden  Entwicklungsaufgaben führt auch immer wieder zu abweichendem Verhalten und zu Normverletzungen. Manche Besonderheiten adoleszenten Verhaltens lassen sich allerdings eher als Begleiterscheinungen des Versuchs ansehen, aufgetretene Probleme zu bewältigen.


  Verhaltensprobleme

Konkrete Verhaltensprobleme Jugendlicher, wie etwa Rauschmittelkonsum, Deliquenz usw. können also zunächst als Handlungen verstanden werden, die zur Bewältigung von Orientierungsproblemen und Entwicklungsanforderungen beitragen sollen. Auch bestimmte Symptome psychosozialer und psychosomatischer Störungen der Entwicklung der Persönlichkeit von Jugendlichen können zu den Erscheinungsformen einer abweichenden und anormalen Problemverarbeitung im Jugendalter gezählt werden. Im Jugendalter rücken auch Symptomgruppen wie Depression, Magersucht und versuchter Selbstmord in den Vordergrund. Die unterschiedliche Ausprägung der Kompetenzen für die Problembewältigung ist ein maßgeblicher Faktor dafür, ob eine solche Konstellation in ihren Folgen und Auswirkungen zu einem schweren und dauerhaften Problem wird oder nicht.

Quellen: Werner Stangl, Assistenzprofessor am Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität, Linz. Dreher, E. & Oerter, R. (1986). Children’s and Adolescents’ Conceptions of Adulthood: The Changing view of a Developmental Task. In Silbereisen, R.K. & Eyferth, K. & Rudinger, G. (Hrsg.), Development as action in context. (S. 109 - 120). Berlin: Springer.Havighurst, R. J. (1948). Developmental tasks and education. New York: Longman Havighurst, R.J. (1953). Human development and education. New York: Longmans & Green.Hurrelmann, K. & Rosewitz, B. & Wolf, H.K. (1985). Lebensphase Jugend. Weinheim und München: Juventa. Oerter, R. & Montada, L. (1995). Entwicklunspsychologie. Vollständig überarbeitete Auflage. Weinheim: Psychologie Verlags Union.


  Selbst-Gefährdung und Norm-Verletzung

 

Risikoverhalten von Jugendlichen

Auf Grund der Ergebnisse der Hirn-Forschung lässt folgende Überlegungen ableiten:

 

Entwicklungsschub

Die Selbst-Strukturen, das soziale Gewissen, die Identitätsentwicklungen, erfährt während der Adoleszenz nochmals einen bedeutenden Entwicklungsschub, vielleicht kann man aber auch sagen, dass erst in dieser Phase aus dem sozialen Uterus entlassen wird und Verantwortlichkeiten, Verbindlichkeiten, gewissermaßen eine Verantwortung gegenüber seinem sozialen Gewissen übernehmen muss. Erstaunlich ist, dass in der Literatur genau diese Übergangssituation nicht klar definiert ist. Wo und wann findet den eigentlich dieser erster Atemzug der sozialen Geburt statt? In den vorhergehenden Phasen haben Soziale Interaktionen ihre Bedeutung für die Entwicklung des Kindes gehabt, aber es waren immer Umgebungsvariabeln da (Eltern, Kollegen, Freunde, Nachbarn, etc.) die gewissermaßen die soziale Schale gebildet haben. Da nach Margareth Mahler die psychische Geburt des Kindes, nach der effektiven Geburt, also erst in der Zeit zwischen dem 18 bis 24 Monat stattfindet, kann man die These wagen, dass die soziale Geburt erst am Schluss der Adoleszenz abgeschlossen ist.

 

Bedeutung der sozialen Geburt

Wenn man die Bedeutung der sozialen Geburt grundsätzlich überlegt, und auch die fundamentale Bedeutung für die Pädagogik, für die Entwicklungspsychologie, aber auch für die gesamte Gesellschaft überlegt, dann bekommt die Jugendphase eine noch größere Bedeutung als dies für Erikson innerhalb seiner psychosozialen Phasen die Phase Identitätsentwicklung gehabt hat.

 

Relevanz für die Gesellschaft

Diese Überlegungen sind deshalb besonders wichtig, weil die postmoderne Gesellschaft in den hochindustrialisierten Ländern den Raum für die extrem individualisierte und idiosynkraktische Biografie und Lebenslaufentwicklung erst ermöglicht hat. Der Mensch ist Schöpfer seiner selbst, dies aber innerhalb des sozialen Kosmos.

Das individuelle Verhalten verursacht und erhöht Risiken für sich selber und für andere. Risikoverhalten ist eine bestimmte Art von unsicherheits-orientiertem Handeln und Handelnden, die ein Schädigungspotenzial gegenüber dem Leben und/oder der Umwelt besitzen.

Das Risikoverhalten im Jugendalter ist ein Versuch, Entwicklungsaufgaben zu lösen und Statusunsicherheiten zu bewältigen. Die Ausübung von Risikoverhalten ist für Jugendliche meist funktional (Jugendliche suchen aber meist nur den vordergründigen Nutzen ihres Verhaltens im «Hier und Jetzt»):

  • Peergroup-Integration

  • expressive Selbstdarstellung und Abgrenzung

  • Autonomiesymbol

  • Kontrapunkt zur Routine

  • Kompensation von Unsicherheiten, Ängsten und Problemen

Neben der akuten Lebensbedrohlichkeit für sich selber und für Dritte besteht eine weitere Gefahr hinsichtlich einer problematischen Weiterentwicklung der Persönlichkeit und in Bezug auf die soziale Integration. Risikoverhaltensmuster sind später nur schwer zu ändern. (sieh z. B. notorische Raser).

 

eher Männer 

 

eher Frauen

     
     

exteriosierende Formen 

 

interiosierende Formen

Alkohol. und Drogenmissbrauch

 

Medikamentenmissbrauch

riskantes Verkehrsverhalten

 

gestörtes Essverhalten

Gewalthandlungen

 

Suizidalität

     

pektrum des Risikoverhaltens von Jugendlichen

 

Gesundheitliches Handlungsfeld

unausgewogene Ernährung (Fast-Food, überzogene Schönheitsideale), riskantes Strassenverkehrsverhalten, Lärm (Hörschädigungen), Sexualität (AIDS, ungewollte Schwangerschaft, sexueller Missbrauch), Gewalthandlungen, Extrem-Sportarten, vernachlässigte Hygiene, Drogen, Suizidalität, Mutproben

 

Delinquentes Handlungsfeld

illegaler Drogenkonsum, Diebstahl, Hacken (Internetsucht), Dokumentenfälschung, Verkehrsregelmissachtung, Gewaltanwendung gegen Personen und Sachen

 

Ökonomisches Handlungsfeld

Glücksspiel, Kaufsucht, Kleinkreditfalle, Verschuldung wegen überhöhten Verpflichtungen

 

Ökologisches Handlungsfeld

Wintersport neben der Piste, Motorsport im Gelände, rücksichtslose Müllentsorgung

 


  Interessante Links

 

Zum Thema "Entwicklungspsychologie"

Smash-Studie Schweiz 2002 (Zusammenfassung)

Shell-Studie 2000

Geschlechterrollen und Lebensperspektiven Jugendlicher 

Internetnutzung im Geschlechteraspekt

Arbeitsblätter Entwicklung im Jugendalter (Stangl-Taller)

Arbeitsblätter Entwicklungsaufgaben im Jugendalter (Stangl-Taller)

Adoleszenz - Frühling des Lebens (KHM)

Kohlberg: Moralische Stufen

Spitzer: Ethische Dilemmas (Trolley-Ethik)

Schülertypen/Interessiertheit Studie

 

Zum Thema "Erziehung"

Elternbildung Triple P (Universität Freiburg)

Elternkonflikte und Jugendliche (Liz Uni Freiburg)

Elterntest: Sind Sie stärker als Ihr Kind (GEO)

Kleines Kompendium «elterlicher Zwangstypern»

 

Zum Thema "Krisen im Jugendalter"

News aus dem Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrie

Gefährdete Jugendliche frühzeitig erkennen (supra, Schweiz)

Psychoserisiko früh erkennen

Verzeichnis Soforthilfe und Beratung

Depression kiz

Junge Erwachsene in Krisensituationen

kiz Soforthilfe

Notfall-Adressen

TSCHAU-Plakat

  

Zum Thema "Süchte"

Cannabis - Kurzinfo für Eltern

 

Zum Thema "Gewalt"

Kinderschutz Schweiz

Gewalt in der Schule - was ist zu tun (Erziehungsdepartement des Kantons Schwyz)

Wenn der Schulalltag aus den Fugen gerät (Zürcher Unterländer)

Wie Kinder Gewalt erleben und anwenden

Gewalt in Zahlen 2001

Ausserschulische Jugendarbeit

 

Zum Thema "Ausbildung"

Dossier Lehrlinge (Beobachter)


  Literaturverzeichnis Entwicklungspsychologie und Jugendpsychologie und Lernpsychologie

Praktische Psychologie des Jugendalters, Rita Kohnstamm, Bern, Göttingen, Toronto, Hans Huber, 1999

Entwicklungspsychologie, Rolf Oerter und Leo Montada Hrsg. Weinheim, Beltz, 1998

Entwicklungspsychologie des Jugendalters, Helmut Fend, Opladen, Leske und Budrich, UTB, 2001

Entwicklungspsychologie der Adoleszenz, August Flammer, Francoise D. Alsaker, Verlag Hans Huber, Bern, 2002

Adoleszenz, Entwicklung und Entwicklungskrisen im Jugendalter, Helmut Remschmidt, Stuttgart Thieme, 1992

Das primäre Dreieck, Vater, Mutter und Kind aus entwicklungstheoretisch-systemischer Sicht Elisabeth Fivaz-Depeurisgne, Heidelberg, Verlagsbuchhandlung GmbH, 2001

Sozial- und Präventivmedizin, Stephan Esthermann et. al., Skriptzentrale Medizin, Bern 2001

Psychopathologie im Kindes und Jugendalter, Übersicht Störungsbilder, Zentralstelle UNI Zürich, 2000

Kinder und Jugendpsychiatrie I/II , H. C. Steinhausen, UNI Zürich Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Zürich 2001/2002

Sozialpsychologie, Wolfgang Stroebe, Klaus Jonas, Miles Hewstone, Berlin, Heidelberg, Springer-Verlag, 2002

Grundlagen der Psychologie, Studienausgabe, David Krech und Richard Crutschfield, Hrsg. Weinheim, Beltz, 1992

Persönlichkeitserziehung und Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen : ein  Rahmenmodell zur Förderung von Selbst- Sozial- und Fachkompetenz / M. Prandini Paderborn Eusl. Verl., 2001

Wie sie sich fühlen, was sie sich wünschen : eine empirische Studie über Mädchen und Jungen auf dem Weg in die Pubertät / Petra Millhoffer, Weinheim : Juventa, 2000  

Entwicklung im sozialen Wandel / Rainer K. Silbereisen ; Jürgen Zinnecker Hrsg.] Weinheim : Beltz, 1999

Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für (zukünftige) Lehrer / Manfred Tücke ; unter Mitarb. von Ulla Grude, Münster : LIT, 1999

Sexualverhalten Jugendlicher heute / Ergebnisse einer repräsentativen Jugend- und Elternstudie über Verhalten und Einstellungen zur Sexualität / Norbert Kluge München : Juventa, 1998

Persönliche Objekte, Identität und Entwicklung / Urs Fuhrer, Ingrid E. Josephs [Hg.] Göttingen : Vandenhoeck und Rupprecht, 1999

Entwicklungspsychologie / Heinz Steinebach, Stuttgart : Klett-Cotta, 2000          

Depressivität im Jugendalter : Diplomarbeit Studienrichtung: Diagnostik / Susanne Frischknecht, Zürich : Institut für angewandte Psychologie, 1995

Adoleszenz und Identität / Werner Bohleber (Hg.), Stuttgart : Verl. Internationale Psychoanalyse, 1996

Jugend : Risikoentwicklungen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten / Helmut Fend Zürich : Univ. Zürich, Päd. Institut, 1995

Die Entdeckung des Selbst und die Verarbeitung der Pubertät / Helmut Fend Bern,  Huber, 1994

Lebensphase Jugend : Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung / Klaus Hurrelmann ; Unter Mitarb. von B. Rosewitz und H. Wolf, Weinheim ; München : Juventa-Verl., 1994

Das Eltern-Kind-Verhältnis im Jugendalter : Eine empirische Längsschnittstudie / M. Storch, Weinheim ; München : Juventa, 1994

Jugend vor der Moderne : Soziologische und psychologische Theorien des 20. Jahrhunderts / Heinz Abels, Opladen : Leske+Budrich, 1993

Jugend, Körper und Geschlecht : Die Suche nach sexueller Identität / Cornelia Helfferich Opladen : Leske+Budrich, 1994

Kinder und Jugendliche heute : belastet - überlastet? Beschreibung des Alltags von Schülerinnen und Schülern in der Schweiz und in Norwegen / Alexander Grob (Hrsg.) Chur : Rüegger Verl.1997

Was Jugendliche wagen : Eine Längsschnittstudie über Drogenkonsum, Stressreaktionen und Delinquenz im Jugendalter / Uwe Engel ; Klaus Hurrelmann , Weinheim ; München : Juventa Verl., 1993

Jugend und Modernisierung : Strukturwandel der Jugendphase und Statuspassagen auf dem Weg zum Erwachsensein / Helmut Schröder, Weinheim : Juventa Verlag,1995

Probleme im Jugendalter: Psychologische Hilfen / Ulrike Petermann, Franz Petermann Freiburg im Breisgau : Lambertus, 1992

Individualisierung von Jugend : Gesellschaftliche Prozesse, subjektive Verarbeitungsformen, jugendpolitische Konsequenzen / Wilhelm Heitmeyer, Thorr-­(Hrsg.); Hrsg. im Auftrag der Arbeitsgruppe Bielefelder Jugendforschung, Weinheim ; München : Juventa, 1990

Vom Kind zum Jugendlichen : Der Übergang und seine Risiken / Helmut Fend Bern ; Stuttgart ; Toronto : Huber, 1990

Entwicklung der Psychosexualität und der Geschlechtsidentität, 2 : Kindheit und Adoleszenz, Stuttgart : Kohlhammer, 1994

Patchwork-Jugend : eine Einführung in postmoderne Sichtweisen / Wilfried Ferchhoff, Georg Neubauer, Opladen : Leske + Budrich, 1997

Der Umgang mit Schule in der Adoleszenz : Aufbau und Verlust von Lernmotivation, Selbstachtung und Empathie / Helmut Fend,  Bern : Huber, 1997

Die 13 (dreizehn] bis 18-Jährigen : Einführung in Probleme des Jugendalters / Dieter Baacke, Weinheim ; Basel : Beltz, 1991

Identitätsentwicklung in der Adoleszenz : Lebensentwürfe, Selbstfindung und Weltaneignung in beruflichen, familiären und politisch-weltanschaulichen Bereichen / Helmut Fend, Bern ; Stuttart : Huber, 1991

Freundschaften im Jugendalter : Der Beitrag sozialer Netzwerke zur Problembewältigung / Petra Kolip München : Juventa, 1993

Jugendpsychologie : Themenkatalog 94 : Höheres Lehramt für allgemeinbildende Fächer der Berufsschulen an der Universität Zürich / Hermann Landolt, Zürich : (s.n.), 1995

Reifung und Ablösung : Das Generationenproblem und seine psychopathologischen Randformen / Beinhart Lempp (Hrsg.) Bern : Huber, 1987

Psychologie des Auszubildenden / Arthur Schirmer Heidelberg,   Sauer- Verlag, 1984

Psychologie des Jugendalters / Jan de Wit, Guus van der Veer Donauwörth : Auer, 1982

Das Jugendalter : Fakten, Probleme, Theorie / David Ausubel München : Juventa Verl., 1979

Der junge Mensch und seine Eltern, Lehrer und Vorgesetzten / Konrad Widmer Zürich : Rotapfel, 1978

Der Jugendliche in der betrieblichen Ausbildung : Ein Leitfaden für Ausbilder in Industrie, Handel und Handwerk / Otto Kahl, Bielefeld : Bertelsmann, 1974

Kontrollattribution und Wohlbefinden von Schweizer Jugendlichen II : Dokumentation Querschnitt, Längsschnitt, Erhebungszeitpunkte 1986, 1988 / August Flammer, Alexander Grob , Ruth Lüthi , Florian Kaiser, Bern, 1989

Einstellungs- und Verhaltensänderungen bei Jugendlichen mit sozial abweichendem Verhalten / Arnold Pütz, Stuttgart : Kohlhammer, 1976

Jugend heute : Wege in die Autonomie / Hrsg.: Johannes Werner Erdmann ; Georg Rückriem ;Erika Wolf, Bad Heilbrunn : Klinkhardt, 1996

Eltern und Freunde : Soziale Entwicklung im Jugendalter / Helmut Fend Bern [et al.] : Huber, 1998

Das Jugendalter : Entwicklungen, Probleme, Hilfen / Hrsg.: Hans-Christoph Steinhausen Mit Beiträgen von H.T. Albrecht (u.a.), Bern : Huber, 1990

Jugend als Prüfstein : Zur Verarbeitung der Bildungsbiographie im Jugendalter / Paul Cassee, Zürich : Zentralstelle der Studentenschaft, 1986

 

 

 

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